Wie es funktioniert (8/8)

Anfängerfehler und Fallstricke im Gemüsegarten

Hey, cool – Du bist ja neugierig auf meinen „weisen“ Rat!

Allzu weise bin ich natürlich nicht. Aber im Laufe der Jahre habe ich über das Arbeiten in einem Gemüsegarten doch das eine oder andere gelernt. Vor allem, dass es im Grunde ganz einfach ist, weil deine Pflanzen ja nur ein paar Dinge brauchen: Sonne, Luft, Platz, Wasser und Nahrung.

Du kannst also auf eine findige und völlig simple Weise gärtnern - darüber haben wir ja schon gesprochen. Es geht aber auch extreeeeem kompliziert und extreeeeeem anstrengend.

Mehr dazu:

1. Der herkömmliche Gemüsegarten

Du kannst dich für einen herkömmlichen Gemüsegarten entscheiden.

Dafür brauchst du viel Platz und du musst auch viel dafür tun:

spitten in de moestuin
  • Den Boden bearbeiten (alle Jahre wieder)
  • Unkraut bekämpfen (das ganze Jahr über)
  • Deinen Pflanzen den perfekten Dünger verabreichen
  • Saat-und-Erntepläne ausarbeiten und stets aktuell halten
  • Eine Fruchtfolge einhalten (also eine Rotation der Pflanzenfamilien)
  • Gemüse in Reihen säen (und anschließend die Keimlinge ausdünnen)
  • Die ausgedünnten Keimlinge pikieren (=umpflanzen)
  • Krankheiten und Schädlinge bekämpfen (oft mit gruseligen Mitteln)
  • Ein ganzes Arsenal an (teuren!) Gartengeräten anschaffen

Um anschließend von ein paar wenigen Gemüsesorten alles auf einmal ernten zu müssen.

Du kannst davon ausgehen, dass du einen Großteil deiner Freizeit darin investieren wirst.

Du meinst, dass ich übertreibe? Nein, absolut nicht! Ich habe das irgendwann einmal ganz präzise festgehalten.
Hier kannst du es nachlesen. Komm dann aber bitte wieder!

Ich bin überhaupt nicht gegen einen herkömmlichen Gemüsegarten. Vielen Menschen macht diese schwere Arbeit großen Spaß und es gibt auch traditionelle Gemüsegärten, die richtig schön aussehen:

Traditioneller Gemüsegarten in Deutschland

So ein herkömmlicher Gemüsegarten muss aber auch zu dir passen, du musst den nötigen Platz und ausreichend Zeit dafür haben!

Und wenn wir ehrlich sind: Den meisten Leuten ist das nicht beschieden.

Und mir erst recht nicht!

2. Der „Knapp-daneben-ist-auch-vorbei“-Beetkasten

Ein solcher Beetkasten beseitigt tatsächlich eine Reihe von Nachteilen des herkömmlichen Gemüsegartens. Er nimmt auch nicht viel Platz ein und es kostet dich nicht viel, ihn anzulegen.

Bestenfalls sieht das dann so aus:

de net niet moestuinbak

Nicht ganz das Wahre, oder?

Da der Gemüsegarten – und gerade das Gärtnern in quadratmetergroßen Beetkästen – inzwischen richtig in ist, sind viele Anbieter auf den Zug aufgesprungen.

Du kannst hier und da Beetkästen kaufen, von spottbillig bis superluxuriös. Von den übrigen Produkten ganz zu schweigen. Hier die ultimative Blumenerde, da die tolle Substratmischung (angereichert mit zig besonderen Düngern), Schädlingsbekämpfungsmittel (gegen Schnecken und Läuse), Anzuchtkästen, Starterkits und was weiß ich noch alles.

Klasse oder?!

Na ja ...

Darf ich vorstellen: ... die Geschichte von ... Anna!

Anna möchte in ihrem Garten Gemüse anbauen. Das ist gesund! Frisches Gemüse, viel Zeit an der frischen Luft, schön für die Kinder und auch noch umweltfreundlich.

Anna kauft einen billigen Beetkasten, ein paar Samen, vorgezogene Pflanzen und die billigste Blumenerde, die sie finden kann.

Am Anfang der Saison läuft alles super. Anna macht das Säen Spaß und die Pflanzen wachsen! Logisch, denn Blumenerde enthält viel Dünger für die ersten Monate. Deshalb wächst vor allem das Grün der meisten Gemüsesorten schnell.

Das hört sich zwar gut an, aber das schnelle Blattwachstum kann auch zu Lasten der Ernte gehen. So fallen auch die Rüben, Möhren und Radieschen, die Anna nach einer Weile erntet, enttäuschend klein aus.

Außerdem muss sie jeden Tag viel gießen. Die Blumenerde speichert das Wasser nicht so gut und trocknet schnell aus.

moestuin ellende

Dann sind die Nährstoffe in der Blumenerde erschöpft. Die Pflanzen hören auf zu wachsen und Anna muss nach einem geeigneten Dünger suchen. Das erweist sich als kompliziert, denn nicht alle Pflanzen haben die gleichen Bedürfnisse. Anna geht auf die Suche nach Informationen.

Sie schaut ins Internet, kauft ein Buch, bittet ein paar Schrebergartenbesitzer um Rat, kauft noch ein Buch ... Und versteht immer weniger, denn das eine widerspricht dem anderen. Das ist nicht so seltsam wie es klingt, denn der Anbau im Beetkasten ist nun einmal anders als der Anbau im Boden.

Außerdem scheinen die Pflanzen, die aus ihren Samen gewachsen sind, für kleine Kästen nicht so richtig geeignet zu sein: Die Pflanzen ersticken einander, die einen stehen im Schatten der anderen, sie kann aber kaum etwas davon ausziehen. Nichts gedeiht wirklich gut und der Kasten aus dünnem, billigem Holz fängt auch schon an, unter der ganzen Misere zusammenzubrechen.

Letztendlich ist alles eine Riesenenttäuschung.

So etwas macht niemanden froh.

Weder Anna, noch ihre Kinder – noch mich, wenn Anna mir daraufhin mailt, dass „So ein Beetkasten nicht funktioniert und erst recht nicht „genial“ ist.“

Aber mal im Ernst:

Leute wie Anna gehen mit den besten Absichten ans Werk: „Umweltfreundlich“, „nachhaltig arbeiten“, „lecker und gesund“. Angesichts des überwältigenden Angebots schaffen sie aber allerlei (oft billiges) Material an, das zu keinem guten Ergebnis führt. Das Traurige ist, dass all diese Sachen wegen des enttäuschenden Resultats oft nach ein paar Monaten schon im Sperrmüll landen. Die Umwelt wird davon also auch nicht froh.

Besonders schade ist es, dass sie aufgrund der schlechten Erfahrung den Gemüsegarten ein für allemal abschreiben: „Hab's versucht – geht nicht“. Und in der Folge nie mehr darauf zurückkommen.

Wie hätte Anna es anders machen können?

Natürlich kann ich nicht verhindern, dass der Markt mit Produkten, die zwar cool aussehen aber nicht funktionieren, regelrecht überschwemmt wird. Oder dass es Firmen gibt, deren wichtigstes Ziel darin besteht, dir ständig allerlei zusätzliche Produkte anzudrehen. Wie Dünger und irgendwelche verdächtigen Pestizide, die noch dazu extrem umweltschädlich sind (man denke nur an Roundup und Bayer).

Da du aber gerade hier bist, kann ich dich warnen, damit du darauf nicht hereinfällst.

Was du als Anfänger brauchst, ist ein System, dem du folgen kannst, um den Gemüseanbau zu erlernen. In einem Garten, den du von vornherein richtig einrichtest, mit nachhaltigen Materialien. Nur dann gibt dir die Sache über lange Zeit Freude und Zufriedenheit.

Wenn du es von Anfang an richtig machst und dafür auch nur ein kleines bisschen mehr ausgibst, wirst du langfristig hunderte Euro einsparen. Denn dann brauchst du – mit der Ausnahme von ein wenig Saatgut und Kompost – nie mehr irgendetwas zu kaufen. Von dem, was du dabei lernst, kannst du anschließend dein Leben lang profitieren.

moestuin feest

Darum habe ich den Genialen Gemüsegarten entwickelt.

Wenn Anna es gleich damit versucht hätte, hätte sie mir eine ganz andere Mail geschickt. ;-)

moestuin feest

Ich will sicher nicht behaupten, dass der Geniale Gemüsegarten die einzig richtige Art und Weise des Gemüseanbaus ist, aber inzwischen arbeiten schon zehntausende Menschen nach diesem System und sind wahnsinnig begeistert.

Das sagt schon etwas aus oder?

Also auf zum nächsten Kapitel:

An die Arbeit!

PS:

Anna gibt es natürlich nicht wirklich, ich habe sie ein bisschen erfunden. Aber nur ein bisschen, denn in meiner Mailbox landen ständig Geschichten dieser Art.